Cigdem Toprak

Blog: Die Lippenstift-Frage

Apr
17

Ein Textilstück beschäftigt die deutsche Debatte über den Islam, die Integration der muslimischen Bürger und die Grenzen der Religionsfreiheit seit einigen Jahren.

Das “Stück Stoff”

So argumentieren viele Muslima mit Kopftuch in der Öffentlichkeit, dass es sich nur um ein “Stück Stoff” auf ihrem Kopf handle, welches keineswegs ihrer Emanzipation und Integration in der deutschen Gesellschaft im Weg stehe. Sie seien selbstbewusste deutsche Frauen, die studieren und arbeiten und ein selbstständiges Leben führen. Dabei legen sie eben aus religiösen Gründen ein Tuch über die Haare, manchmal auch über die Schultern, oder über den ganzen Körper, wie die Muslima beim Frankfurter Bürgeramt.

Sie verteidigen sich weiter, indem sie gerne auf alte deutsche Omas in auf dem Land zeigen, die ein Kopftuch über ihre Haare binden oder christliche Nonnen, die schwarz-weiß verhüllt sind. Weshalb also auch nicht die muslimischen Frauen?

Abgesehen davon, dass es in einer aufgeklärten Gesellschaft keine theologische Auseinandersetzung über die Textpassage im Koran in Hinblick auf die Verhüllung der Muslima geben sollte, wird das religiöse Kopftuch mit seiner Bedeutung zusammen getragen. Es handelt sich also keineswegs um ein Stück Stoff, dass sich Frauen über die Haare legen, um ihre Schönheit ein wenig zu verbergen, weil es kulturell bedingt ist. Muslima tragen das Kopftuch vielleicht aus unterschiedlichen Motivationen, aus Zwang, Tradition oder als Identifikations-und Diffrenzierungsmittel. Sie vermitteln und vertreten aber exakt die Bedeutung, die im Kopftuch, und zwar im religiösen Kopftuch, enthalten ist: Die Aufgabe ihrer Vernunft und ihren Glauben an eine Welt, in der sie mit offenem Haar zur Hölle verdammt sind. Das religiöse Kopftuch symbolisiert das negative Männerbild und die Diskriminierung ihrer Nachbarn, ihrer Arbeitgeber, ihrer Verwandten und ihren Kommilitonen. Dieses “Stück Stoff” verdammt Muslima das Leben zu führen, das Gott für sie bestimmt hat, das ihre Familie oder ihre Gemeinschaft von ihr erwarten.

Dieses religiöse Kopftuch, das jede einzelne Haarsträhne von ihnen versteckt, entzieht der Muslima ihr selbstständiges und kritisches Denken, verhindert die Integration in jede Gesellschaft, in der Männer und Frauen zusammen leben.

Die Lippenstift-Frage

Deutsche, junge und gebildete Muslima mit Kopftuch versuchen in der deutschen Öffentlichkeit ein Bild zu suggerieren, das nicht existiert: Sie wollen aufzeigen, dass sie eine ganz normale deutsche Frau seien.

Um dieses Trugbild zu entlarven, benötigt man nur die richtigen Fragen. Wenn nämlich diese junge deutsche Muslima mit Kopftuch einen Minirock tragen, einen roten Lippenstift aufmalen und ein anderes Leben führen wollte, wie würde ihre Familie und ihre religiöse Gemeinschaft darauf reagieren? Was wäre, wenn sie einen Freund mit nach Hause nehmen, wenn dieser Freund ein Christ wäre, oder vielleicht Atheist, wie würde ihre Familie und ihre Gemeinschaft diesen Entschluss als emanzipierte und deutsche Frau aufnehmen?

Könnte die junge deutsche Muslima weiterhin studieren, durch die Welt reisen und ihre Menschenrechte leben? Würde ihre Familie und ihre Gemeinschaft ihr das Recht auf Entfaltung ihrer Persönlichkeit gewähren, wenn doch die deutsche Gesellschaft ihr das Recht auf Religionsfreiheit verweigert?

Eine bekannte muslimische Bloggerin wollte mir auf diese Frage nicht antworten, auf mein Drängen hin meinte sie schließlich, dass meine “Lippenstift-Frage” sie an ein bestimtes Milieu erinnere. Eine vernünftige Antwort einer ganz normalen emanzipierten deutschen Muslima.

 

Photo by ourcitylights

 

 

24 Responses to Blog: Die Lippenstift-Frage

  1. Hallo Frau Toprak,

    ein sehr gelungener Vergleich mit einer stringenten Logik!

    Weiterhin viel Erfolg,
    MFG
    Wb

  2. @WB

    Vielen Dank! Freue mich über jeden Kommentar und dass Sie weiterhin meine Artikel lesen!

    Viele Grüße,
    Cigdem Toprak

  3. Sehr guter Artikel!

    Gehe ich recht in der Annahme, dass die bekannte muslimische Bloggerin eine Kolumne in der Taz hat?

  4. @Nepumuk.

    Vielen Dank. Da haben Sie goldrichtig getippt! :)

    Viele Grüße,
    Cigdem Toprak

  5. die fähigkeit einer pluralistischen gesellschaft besteht darin, dass man im rahmen der verfassung verschiedene wertesysteme akzeptiert und die verfechter der wertesysteme dennoch als normale deutsche akzeptiert.

    der lackmustest für diese fähigkeit ist bei cigdem toprak die burkafrage.

  6. Wenn ich Sie richtig verstanden haben:
    Wir leben in keiner pluralistischen Gesellschaft, die keine Normen und Werte hat, außer dem Anspruch jede Meinung und Ansicht als gleichwertig zu bezeichnen und Respekt dem gegenüber zu zollen.
    Unsere Wertebasis sind demokratische Werte, und jeder Angriff auf diese darf nicht toleriert werden. Daher befürworte ich keine absolut pluralistische, sondern eine demokratisch konstitutierte Gesellschaft, die jede demokratische Pluralität bereits in seiner Grundauffassung inmpliziert.

  7. Der Pluralismus muss natürlicherweise in der Offenen Gesellschaft dort ein Ende finden, wo er gegen die Werte und Normen der Gesellschaft verstößt.

    Die Burka als Kleidergefängnis, in das sich viele Frauen nicht freiwillig begeben, verstößt offensichtlich gegen diese Werte und ist angemessen zu kriminalisieren.

    Hierin einen Lackmus-Test für die geschätzte Blogautorin zu erkennen war mephistophelisch.

    MFG
    Wb

  8. hi cigdem,

    inwiefern stellt der turban der sikhs ein angriff auf die demokratische verfassung dar? und inwiefern stellen kopftuch, niqab und burka einen angriff auf die demokratische verfassung dar?

    beste grüße

    aloo masala

  9. hi wb,

    der zwang eine burka oder andere verschleierung tragen zu müssen ist ebenso verwerflich und mit demokratischen werten unvereinbar wie der zwang keine burka tragen zu dürfen.

    beste grüße

    aloo masala

  10. @aloo masala
    Es ist Ihnen sicherlich schon aufgefallen, dass das öffentliche Tragen allerlei Dinge verboten ist, bspw. sind sog. verfassungsfeindliche Symbole verboten, es ist verboten durch Textmitteilungen, bspw. als Sticker, zur Gewalt oder zu anderen Verbrechen aufzurufen, es ist verboten als schwer infektiöser Kranker herumzulaufen, es ist verboten gefährliche Mittel zu transportieren, ebenso wie es verboten ist radioaktiv verstrahlt herumzulaufen und auch das öffentliche Nacktsein ist verboten.

    Vermutlich ist diese Auflistung unvollständig, Sie ahnen aber bereits, dass eine „absolutistische“ Argumentation wie die Ihre scheitert, denn wenn die Mandatsträger im Sinne ihrer Mandanten zu dem Schluss kommen, dass die Burka zu kriminalisieren ist – Wb täte dies ausdrücklich begrüssen wg. des Gefängnischarakters und der Belästigung anderer -, dann ist das nur eine weitere Einschränkung, nichts Neues also.

    Sie dürfen natürlich gerne der Meinung sein, dass die Burka für Sie persönlich OK ist und nicht verbietenswert, rechtsphilosophisch müsste aber anders vorgetragen werden, wenn Sie punkten wollen.

    Zudem besteht Ihr eigentlicher Fehlgriff, das oben angeführte ist vermutlich und lediglich auf einen Irrtum zurückzuführen, darin einen „Lackmus-Test“ für den Autor zu erklären. Das war nicht fein.

    MFG
    Wb

  11. @aloo masala
    Ich schließe mich WB an. Ein Tuch über die Haare stellt keineswegs eine Gefahr für die Demokratie dar. Aber ein religiöses Kopftuch, dass den Zweck der Diskriminierung der Frau und des Mannes beinhaltet, allerdings schon. Ein religiöses Kopftuch zu tragen ist mehr als ein „Stück Stoff“, dass ich in meinem Artikel versuche zu erläutern. Diese Frauen haben nämlich komischerweise nicht die Wahl, ihr Leben auf demokratische Weise auszuleben. Der Staat dürfte das Kopftuch nicht verbieten, aber es untersagen, in öffentlichen Gebäuden zu tragen. Bei der Burka sieht das aber schon anders aus.

  12. hi wb,

    ihre argumentation ist inkompatibel mit den demokratischen werten. das grundgesetz sieht es es nicht vor, dass mandatsträger willkürlich eine sache kriminalisieren und damit grundrechte einschränken dürfen nur weil es die masse es sich gerade mal so wünscht.

    nochmals, der zwang zur verschleierung ist für mich inakzeptabel und mit unseren demokratischen werten unvereinbar. folgerichtig wird solcher zwang bereits jetzt unter strafe gestellt.

    umgekehrt ist für mich der zwang kein niqab oder keine burka tragen zu dürfen ebenfalls inakzeptabel. da halte ich es rechtsphilosophisch mit der amerikanischen rechtstradtion, welche die grenzen der religionsfreiheit dann erreicht sieht, wenn frieden und sicherheit in Gefahr sind. rechtsphilosophisch nach williams und locke wäre das burkaverbot eine diskriminierung der muslime. in diesem sinne sieht auch die usa das burkaverbot in frankreich als verstoß gegen die religionsfreiheit an.

    auch für sie gilt, ihr lackmustest für demokratische prinzipen und werte ist die burka-frage.

    beste grüße

    aloo masala

  13. hi cigdem,

    das bitte ich sie etwas genauer zu begründen, inwiefern das stück stoff die muslimen darin hindert, ihr leben auf demokratische weise auszuleben? wegen der lippenstiftfrage?

    wb wird seiner tochter etwas husten, wenn sie mit einer burka und einem mullah nach hause kommt. das sind die verschiedenen wertesysteme, die inkompatibel untereinander sein können aber dennoch platz in einem demokratischen wertesystem finden.

    beste grüße

    aloo masala

  14. @aloo masala
    Aha, Sie argumentieren außerhalb der deutschen Verfassung und der deutschen Praxis. Das ist sicherlich konsistent, Sie hätten sich aber um rechtzeitige Kennzeichnung bemühen müssen.
    Sie können ja nicht bezugslos mit irgendwelchen herabsetzenden Lackmus-Tests kommen ohne Ihr Bezugssystem zu nennen.

    Klar, in einer Gesellschaft, in der jeder mit Hakenkreuz, Wumme und volksverhetzenden Inhalten kommen kann, hätten Sie recht, die Systeme in der Tradition englisch-amerikanischer Philosophen sind hier anders als die kontinentalen.

    Ein Rat unter liberalen Freunden: Es gibt unterschiedliche Implementierungen aufklärerischer Systeme und welche die richtigen sind, entscheiden nicht Sie und auch nicht Wb.

    HTH
    Wb

  15. hi wg,

    inspiriert von der amerikanischen rechtsphilosophie bleibe ich innerhalb der deutschen verfassung und praxis. das ist eine völlig legitime vorgehensweise, insbesondere deswegen weil es um universelle fragen geht.

    außerhalb der deutschen verfassung und praxis bewegt man sich wohl eher, wenn man meint, dass kollektive präferenzen zu freiheitseinschränkungen von minderheiten führen dürfen.

    herabsetzend und bezugslos argumentiert der, der nicht hört was frauen sagen, die aus freien stücken eine burka tragen.

    ein rat unter demokratischen freunden. persönliche präferenzen sind eine sache (ich bin auch kein fan von der burka). prinzipien der freiheit und gleichheit jedoch eine andere. sie können die burka ablehnen. die burka rechtlich bindend zu verbieten jedoch eine völlig andere.

    hth und beste grüße

    aloo masala

  16. Nach ihrer und nach WBs Argumentation würden sie also auch keine Hakenkreuze verbieten?

  17. hi cigdem,

    ich habe eine völlig andere beziehung zum hakenkreuz als deutsche. es ist für mich ein wichtiges religiöses symbol (swastika, andersherum geflügelt) aus meinem land (indien). für mich ist es natürlich sehr schade, dass die swastika in deutschland in erster linie mit den verbrechen der nazis in verbindung gebracht wird.

    ich kann das hakenkreuzverbot in deutschland aufgrund seiner geschichte nachvollziehen. ansonsten halte ich es wie die EU und die USA. das verbot eines 5000 jahre alten symbols des friedens aufgrund einer 12-jährigen epoche schlimmster verbrechen an die menschheit zu verbieten halte ich für ungefähr so sinnvoll wie das kreuz zu verbannen, weil der rassistisch verblendete Ku Klux Klan mit brennenden Kreuzen die Schwarzen in den USA terrorisiert.

    ich möchte an dieser stelle daran erinnern, dass die EU einen vorstoß deutschlands das hakenkreuzverbot europaweit durchzusetzen massiv kritisiert hatte. deuschland ist deswegen von seinem vorhaben abgerückt.

    beste grüße

    aloo masala

  18. Hallo Cigdem,

    auf den ersten Blick würde ich Ihnen zustimmen und auch sagen: das Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit (und daher auch die Pflicht des Staates es zu schützen) wiegt schwerer als die Religionsfreiheit.

    Um aber den Fragen, was nun „freie Entfaltung der Persönlichkeit“ ist und inwiefern diese wiederum mit dem Recht auf freie Ausübung von Religion im Zusammenhang steht, aus dem Wege zu gehen, würde ich nie so argumentieren. Das gibt doch nur einen endlosen Streit.

    Eher würde ich betonen, dass die Demokratie gegen die absolute Herrschaft von Staat und Kirche (über das Individuum) durchgesetzt wurde. Deswegen sind in demokratischen Verfassungen individuelle Rechte festgeschrieben. Ein Versuch, das Mißverhältnis von Staat und Subjekt zu reparieren, der zwar nicht gelingen kann, denn auch ein demokratischer Verfassungsstaat bleibt ja ein Staat, aber es zumindest lindert.

    Aus diesem Verhältnis beziehen demokratische Rechte überhaupt erst ihren Sinn. Absurd, diese Rechte verabsolutieren zu wollen. Also: Weg mit der Burka!

    Liebe Grüße

    Justine

  19. ich habe eine völlig andere beziehung zum hakenkreuz als deutsche. es ist für mich ein wichtiges religiöses symbol (swastika, andersherum geflügelt) aus meinem land (indien).

    Kollego, das Hakenkreuz stand stellvertretend für verschiedene Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, die alle verboten sind. – Zum Glück sind Sie kein Römer. 😉

    MFG
    Wb

  20. Super Text von Hamed Abdel-Samad zum Thema:

    http://www.freitag.de/politik/1116-religi-se-aufr-stung

  21. Ein Kopftuch und erst recht eine Burka ist ein sehr ‚sprechendendes‘ weit sichtbares, überdeutliches Symbol.
    Es ist eher ein kulturelles als ein religiöses Symbol, weil es etwas mit der Definition der Geschlechterrollen/Sexualität zu tun hat als mit einem Bekenntnis zu einer Religion. Das ginge auch mit etwas Ähnlichem wie einem Davidstern oder eine Kreuz. Wenn es ein reines religiöses Symbol wäre, müsste es etwas Analoges für Männer gegen, das dann ähnlich gehandhabt werden müsste. Man sieht aber meist westlich gekleidete Männer und verchleierte Frauen zusammen.
    Hintergrund scheint eine Vorstellung von Rein – Unrein zu sein, von Sünde, die aber in erster Linie für Frauen zu gelten scheint und letztendlich etwas damit zu tun hat, dass Frauen Kinder bekommen und das die Erzeuger wissen wollten, ob die Kinder auch von ihnen sind. Das hat (auch in anderen Kulturen) zu einem oft sehr restriktiven Umgang mit weiblicher Sexualität und Rollenvorgaben geführt. Hätte es vor 500 Jahren schon wirksame Verhütungsmethoden gegeben, gäbe es die ganze Thematik mit dem Kopftuch vielleicht nicht. 😉 Abgesehen davon, dass wir darüber weg sind, und Frauen das Recht haben, selber über alle Aspekte ihres Leben selbers zu entscheiden.
    Verfolgt man dies Argumentaiondlinie, fiele es aber nicht unter den ‚Religionsschutz‘, mit dem das Tragen legitimiert werden soll, sondern wäre einfach ein kulturell geprägtes Kleidungsstück.
    Wenn man aber sagt es sei ‚nur‘ ein Stück Stoff, leugnet man gerade den hohen symbolischen Wert, den es ja gerade haben soll: Seht her ich bin eine gläubige Muslima,und ich verleugne mehr oder weniger mein Recht auf Selbstbestimmung (?!)und zeige dies allen sehr deutlich. Dies ist unbedingt zu tolerieren, auf keinen Fall misszudeuten. Es soll jeweils interpretiert werden, wie ich es verstehe. Und am besten lässt man mich damit in Ruhe, obwohl ich diese deutlichen Signale in meine Umgebung sende.
    Das macht die ganze Sache so schwieirg: es werden Symbole genutzt, die sich einer Diskussion vielleicht nicht völlig entziehen, sie aber sehr erschweren.

  22. ,,Was wäre, wenn sie einen Freund mit nach Hause nehmen, wenn dieser Freund ein Christ wäre , oder vielleicht Atheist(…)?“

    Wahrscheinlich würde dann das passieren , was in deutschen Familien ebenfalls oft passiert , wenn die Tochter einen Murat oder Ali mit nach Hause nimmt.

    ,,Eine vernünftige Antwort einer ganz normalen emanzipierten deutschen Muslima“

    Nein , sie hat nur auf dem selben Niveau geantwortet

  23. Das Geheimnis der Verhüllung ist natürlich die Markierung der Unverhüllten als ungeschützte und nichtswürdige Person.

    Auf einen Emotionsmix aus Verachtung und Begehren beim Mann, kommt es an !

    Als Fetisch wäre eine Burqa völlig unproblematisch; als ein einziger Notbehelf, ansonsten allfälligen Übergriffen nicht ausgesetzt zu sein, ist natürlich ihr Geheimnis.

    Nach der Benutzung „Schlampe“ gesagt kriegen, einen Tritt von einer nicht ganz so frommen Sista; dann ist selbst die polnische Blondine reif für die Dawa:
    „Mit Islam hat das nichts zu tun; wenn du Muslima wirst, werden sie sich entschuldigen.“

  24. Georg Schliehe

    WIR im Rat der Stadt Recklinghausen

    Herrn Bürgermeister
    Wolfgang Pantförder

    im Hause

    Recklinghausen, den 21.02.2011

    Sehr geehrter Herr Bürgermeister Pantförder,

    hiermit beantrage ich, den nachfolgenden Antrag zur Integrationsoffensive für kopftuchfreie Kindergärten und Schulen auf die Tagesordnung der Ratssitzung zu setzen.

    Antrag:

    Der Rat der Stadt Recklinghausen beauftragt die Jugend- und Schulverwaltung, durch Gespräche, Verhandlungen und Vereinbarungen mit den Bildungsinstitutionen kopftuchfreie Kindergärten und Schulen in Recklinghausen umzusetzen.

    Begründung:

    Die nachfolgenden Ausführungen zu den Kleidungsvorschriften in der islamisch geprägten Kultur begründen ausführlich die Notwendigkeit dieses Antrages, dass weder Erzieherinnen und Lehrerinnen noch Mädchen in den Kindergärten und Schulen Recklinghausens islamische Kopftücher tragen.
    Zum Verständnis dieses Antrages ist es notwendig, das islamische Kopftuch (Schamtuch) in einen größeren Zusammenhang zu stellen und die islamischen Kleidungsvorschriften in ihrer gesellschaftlichen Bedeutung zu sehen:

    Die islamische gesellschaftliche Ordnung der Familie, der Großfamilie (Clan) und der Gemeinschaft der Muslime insgesamt (Umma) ist eine im Koran göttlich vorgegebene patriarchalische Ordnung:

    „Die Männer haben Vollmacht und Verantwortung gegenüber den Frauen, weil Gott die einen bevorzugt hat und weil sie von ihrem Vermögen (für die Frauen) ausgeben. Die rechtschaffenen (Frauen) sind demütig ergeben […] Ermahnt diejenigen, von denen ihr Widerspenstigkeit befürchtet, und entfernt euch von ihnen in den Schlafgemächern und schlagt sie. Wenn sie euch gehorchen, dann wendet nichts weiter gegen sie an“ heißt es in Sure 4,34, und Sure 2,228 besagt u.a.: „Die Männer stehen eine Stufe über ihnen“.

    Damit ist die übergeordnete Stellung des Mannes gegenüber der Frau im Islam normativ festgeschrieben. Die ‚Unterhaltspflicht’ des Mannes und die Gehorsamspflicht der Frau sind nicht hinterfragbare Grundkomponenten islamischer Eheverträge (Schirrmacher/Spuler-Stegemann 2006:18). Der Koran sanktioniert damit das Züchtigungsrecht und das sexuelle Verfügungsrecht der Männer gegenüber den Frauen:

    „Eure Frauen sind für euch ein Saatfeld. Geht zu eurem Saatfeld, wo immer ihr wollt“
    (Sure 2, 223).

    Die islamischen Kleidungsvorschriften sind Ausdruck und Teil dieser patriarchalischen Ungleichstellung zwischen den Geschlechtern und der repressiven Sexualmoral.
    Im Islam wird der Umgang mit Sexualität wesentlich durch Geschlechtertrennung und auf Kosten der Frauen reguliert. Der Mann wird ins öffentliche Leben, die Frau ins Haus verwiesen. Befinden sich beide in öffentlichen Räumen (Moschee, Universität, Sporthalle etc.), sind getrennte Räume vorgesehen. Fehlen Trennwände, müssen Frauen sich verschleiern (Schröter 2007: 141). Bis heute hat sich die Frau nach der Mehrheitsmeinung der islamischen Gelehrten ab der Pubertät zu verhüllen, und das ist eine Pflicht und liegt nicht in ihrem persönlichen Ermessen. „Folgt man der islamischen Quellenauslegung, kann die unverschleierte Frau so gut, so verantwortungsbewusst und sozial leben wie sie will – sie wird niemals Gottes Wohlgefallen erlangen, da sie durch die Zurschaustellung ihrer Reize zur Unzucht verführt und damit die islamische Ordnung gefährdet“ (Breuer 2009: 88).
    Die Formen der Verschleierung reichen von der Bedeckung des Kopfes durch ein Kopftuch bis zur Verhüllung des ganzen Körpers. Der sogenannte Hijab als Kopftuch bedeckt nur die Haare und den Hals. Üblich ist er im gesamten islamischen Raum in unterschiedlichen Varianten. Der Tschador verhüllt den Körper, aber nicht Gesicht und Hände. Diese Verschleierungsform ist vor allem im Iran üblich. Der Niqab verdeckt den ganzen Körper und auch das Gesicht, nur ein kleiner Schlitz für die Augen bleibt frei. Er ist vor allem auf der arabischen Halbinsel üblich. Die Burka als extremste Form der Verschleierung verhüllt den ganzen Körper und das Gesicht, über den Augen liegt ein Stoffgitter. Üblich ist sie vor allem in Afghanistan und Teilen von Pakistan. Zur Durchsetzung der Verschleierung sieht das islamische Recht (Scharia) Überwachung und Zwangsmittel vor. Alice Schwarzer, die sich bereits seit 1979 für die Gleichberechtigung muslimischer Frauen einsetzt, nennt die Burka ein barbarisches, menschenverachtendes Kleidungsstück. Sie zitiert viele Beispiele aus muslimischen Ländern, in denen Frauen und Mädchen, die sich nicht verschleiern wollten, ausgepeitscht, gefoltert, mit Säure übergossen oder erschossen wurden (Schwarzer 2010).
    Mehr oder weniger haben inzwischen mit der islamischen Zuwanderung und der Radikalisierung des Islam alle Verschleierungsformen auch Einzug in die westlichen Demokratien gefunden. Es ist daher falsch, die Burka- und Kopftuchfrage aus ihrem kulturellen islamischen Kontext der Herkunftsstaaten zu lösen. „Der Schleier ist keine Modemarke, sondern ein Vorposten der weltweiten Gewalt gegen Frauen“ (Radisch 2010: 52). In eindrucksvoller Weise analysiert die Sozialpädagogin Gabi Schmidt (2010) die menschfeindlichen Aspekte und ausgrenzenden Auswirkungen der Ganzkörperverschleierung in Deutschland und fordert ein Verbot der Burka und des Niqab. Während im europäischen Ausland verstärkt gesetzliche Maßnahmen für ein Burkaverbot getroffen werden, gibt es im Deutschen Bundestag bisher keine ernsthaften Bemühungen gegen die Ganzkörperverschleierung, obwohl sich laut Fokus-Umfrage 61 % der Bevölkerung für ein Verbot aussprechen.

    Sehr viel stärker als die Ganzkörperverschleierung im öffentlichen Raum hat die Auseinandersetzung um das Kopftuch muslimischer Lehrerinnen in der Schule die Öffentlichkeit beschäftigt. Nach jahrelangen Auseinandersetzungen und gegensätzlichen Urteilen in der deutschen Rechtssprechung entschied das Bundesverfassungsgericht am 24.September 2003 im Fall Ludin, dass einer muslimischen Lehrerin das Tragen eines Kopftuches nur auf der Basis eines Landesgesetzes verboten werden könne (AZ:2 BvR 1436/02). In acht von sechzehn Bundesländern wurde inzwischen eine entsprechende gesetzliche Grundlage für ein Kopftuchverbot erlassen. In einem Fachbeitrag bemängelt der Präsident des Verfassungsgerichtshofs NRW in Münster, Dr. Michael Bertrams, dass die mit der Problematik befassten Gerichte sich nicht um die Bedeutung des islamischen Kopftuches bemüht haben. Nach eingehender Analyse kommt er zu dem Schluss, dass das durch das Tragen des islamischen Kopftuches propagierte Frauenbild mit der grundgesetzlichen Vorstellung nicht in Übereinstimmung zu bringen ist (Bertrams 2003; Grundgesetz: Textausgabe 2006).

    Die muslimischen Bekleidungsvorschriften gehen auf zwei Verse im Koran zurück:

    „Und sprich zu den gläubigen Frauen, sie sollen ihre Blicke senken und ihre Scham bewahren, ihren Schmuck nicht offen zeigen, mit Ausnahme dessen, was sonst sichtbar ist. Sie sollen ihren Schleier auf den Kleiderausschnitt schlagen und ihren Schmuck nicht offen zeigen, es sei denn ihren Ehegatten, ihren Vätern, den Vätern ihrer Ehegatten, ihren Söhnen, den Söhnen ihrer Ehegatten, ihren Brüdern, den Söhnen ihrer Brüder und den Söhnen ihrer Schwestern, ihren Frauen, denen, die ihre rechte Hand besitzt, den männlichen Gefolgsleuten, die keinen Trieb mehr haben, den Kindern, die die Blöße der Frauen nicht beachten. Sie sollen ihre Füße nicht aneinander schlagen, damit man gewahr wird, was für einen Schmuck sie verborgen tragen“. (Sure 24,31)

    Implizit wird hier deutlich, dass die Verschleierung etwas mit der Triebhaftigkeit der Männer zu tun hat. Eine weitere Vorschrift im Koran liefert eine Begründung für die islamischen Kleidungsvorschriften, die in der Regel in der Kopftuch- und Verschleierungsdebatte unbeachtet bleibt:

    „O Prophet, sag deinen Gattinnen und Töchtern und Frauen der Gläubigen, sie sollen etwas von ihrem Überwurf über sich herunterziehen. Das bewirkt eher, dass sie erkannt werden und dass sie nicht belästigt werden“. ( Sure 33,59)

    Aus der Koranübersetzung von Rudi Paret (2007) wird der Bedeutungsinhalt dieser Anordnung noch deutlicher:

    „Prophet! Sag deinen Gattinnen und Töchtern und den Frauen der Gläubigen, sie sollen (wenn sie austreten) sich etwas von ihrem Gewand (über den Kopf) herunterziehen. So ist am ehesten gewährleistet, dass sie (die ehrbaren Frauen) erkannt und daraufhin nicht belästigt werden“. (Sure 33.59)
    .
    Hiltrud Schröter interpretiert diesen Vers strukturhermeneutisch folgendermaßen
    (hierzu Schröter 2003: 241- 261):
    • Die Befehlsform zeigt, dass der Islam eine Religion der Unterwerfung und des Gehorsams ist.
    • Die Aufforderung „Sag deinen Gattinnen…“ bedeutet Polygamie.
    • Angesprochen werden nur die Frauen der islamischen Gemeinde als Gemeinschaft der Herausgehobenen. Männer sind nicht angesprochen, was im Koran sonst nicht vorkommt. Sie werden nicht zur Verantwortung gezogen.
    • Die Verhaltensanweisung bezieht sich auf die Verhüllung der Frauen, wenn sie in die Öffentlichkeit (Außenbereich) treten.
    • Durch den Schleier soll der Mann daran gehindert werden, in einer nicht verwandten Frau ein Objekt seiner Begierde zu sehen. Die weibliche Schönheit ist reserviert für die polygame Gattenbeziehung.
    • In der Verschleierung kommt auch zum Ausdruck, dass die Frau Besitz ist und kein autonomes Gegenüber.
    • Die Anordnung, die Frauen sollen etwas von ihrem Gewand über sich ziehen, ist nicht eindeutig und lässt Interpretationen zu. Sie reicht vom Kopftuch bis zur radikalen Ganzkörperverhüllung.
    • Das Verb „belästigen“ verdeutlicht den Grund der Verschleierung.
    • Die Männer werden als triebhafte und undisziplinierte Wesen gesehen.
    • Der Koranvers soll die Frauen und Mädchen also vor sexueller Belästigung und körperlicher Gewalt außerhalb des häuslichen Bereichs schützen.

    Diese Bekleidungsvorschrift, die zur Zeit Mohammeds eingeführt wurde, gehört nicht zu den fünf Pflichten des Islam. Sie wurde eingeführt zum Schutz der Frauen vor sexueller Gewalt und zum Schutz der Männer vor Ehrverlust durch Kontrollverlust über ihren Sexualtrieb. Die Bekleidungsvorschrift ist also eine archaische Konvention zur Wahrung der Sittlichkeit. Die Frau wurde dadurch zum Medium der Moral des Mannes, dem Selbstdisziplin nicht zugemutet wurde (Schröter 2007: 144).

    Die gesellschaftlichen Verhältnisse sind heute aber anders. Sexuelle Belästigung und Gewalt werden anders bekämpft. An die Stelle des Schleiers sind demokratische Gesetze getreten, die die Frauen in ihrer Freiheit nicht beschränken, sondern den Mann unter Strafandrohung zur Selbstdisziplin zwingen. Sowohl das Grundgesetz als auch das Strafgesetzbuch und das Bürgerliche Recht schützen vor sexueller Belästigung und Gewalt. Die Würde des Einzelnen, das Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit, wozu auch die sexuelle Selbstbestimmung und körperliche Unversehrtheit gehören, sind verbriefte Rechte. Auch Vergewaltigung in der Ehe und Polygamie sind Straftatbestände.
    Die Schlussfolgerung heißt daher: „Aber bei uns heute ist ein Gebot zum Kopftuchtragen und zur Verschleierung kein Mittel zur Wahrung der Sittlichkeit, sondern ein Disziplinierungs- und Herrschaftsinstrument, das sich des Korans für seine Zwecke zu bedienen weiß“ (Schröter 2003: 261).
    Für diese neuen Formen der Gewalt gegen Frauen ist die deutsche Gesellschaft mitverantwortlich, weil sie sie als religiöse und kulturelle Besonderheiten deklariert und getreu dem multikulturellen Leitbild „Akzeptanz unterschiedlicher Kulturen“ toleriert und im übrigen weg schaut. Der multikulturalistische Respekt vor der Besonderheit des Anderen bedeutet in diesem Kontext implizit die Behauptung der eigenen Überlegenheit, weil der grundgesetzliche Schutz der Gleichstellung von Mann und Frau für die islamischen Frauen in Deutschland nicht gleichermaßen gilt. Geht man von der universellen Gültigkeit der Menschenrechte aus, kann man eine Kultur nicht als gleichwertig anerkennen, in der Mädchen und Frauen nicht gleichberechtigt sind.

    Da die Erziehung in der muslimischen Familie überwiegend der Mutter obliegt, werden von ihr auch primär die traditionellen Werte und vorgegebene Rollenmuster weitergegeben. Nicht selten sind es gerade die Mütter, von denen der unmittelbare Druck auf die Töchter ausgeht, ein Kopftuch zu tragen. Nach islamischen Vorstellungen trägt der Mann aber letztlich die Verantwortung für die Familie. Er hat das Aufsichtsrecht und die Aufsichtspflicht und im Konfliktfall das letzte Wort, den „Stichentscheid“ (Schröter 2003: 20). Diese Grundsätze sind allerdings mit den Grundrechten unserer Verfassung nicht vereinbar.

    Spätesten seit der iranischen Revolution 1979, die die Frauen zur Verschleierung zwang, ist die islamische Kleidungsvorschrift als politisches Symbol der Unterdrückung der islamischen Frau in der westlichen Welt ins öffentliche Bewusstsein gerückt. Von dieser Entwicklung im Iran gingen allmählich durch die stetig anwachsende Einflussnahme des „politischen Islam“ nachhaltige Auswirkungen auf Deutschland und ganz Europa aus. Der Grad der Verschleierung der Musliminnen gilt als Gradmesser muslimischer Rechtschaffenheit (Breuer 2009:88).
    Ab Mitte der 90er Jahre wurde auch in Deutschland wie in der ganzen westlichen Welt von muslimischen Frauen in der Öffentlichkeit vermehrt das Kopftuch getragen. Dazu bemerkt Hiltrud Schröter in ihrer biographischen Studie zum Thema Frauen im Islam:
    „ Dabei wurde das Kopftuch bis 1996 in den Interviews von den Frauen nicht erwähnt. Alle diese Frauen trugen weder in ihrem Heimatland noch in Deutschland das Kopftuch. Nach 1996 änderte sich das. Das Kopftuch wurde thematisiert und überwiegend getragen“ (Schröter, 2003: 13). Sie stellt ferner fest, „dass die kopftuchtragenden Frauen und Mädchen überwiegend in muslimische Gemeinden eingebunden sind. Ingesamt gilt: Je radikaler fundamentalistisch eine islamische Organisation ist, umso konsequenter propagiert sie bei uns das Kopftuch… Die Art der Bekleidungsvorschriften ist ein Gradmesser für den Fundamentalismus einer islamischen Organisation“ (Schröter 2003: 242).
    Für die Renaissance der islamischen Verschleierung in Europa nennt Schröter folgende Gründe:
    Zunehmender Druck durch die Moscheevereine, vermehrte Teilnahme der Frauen an Pilgerreisen nach Mekka, Androhung von Gewalt durch muslimische Männer, Erziehung mit Angst vor Strafen im Diesseits und Jenseits, Verinnerlichung von Autorität und Einüben autosuggestiver Mechanismen, religiöse Hinwendung als Ersatz für Zuwendung und Islampropaganda durch digitales Fernsehen aus der islamischen Welt (Schröter 2007: 147,148).

    Ayaan Hirsi Ali, Politikwissenschaftlerin und Frauenrechtlerin, hält den muslimischen Schleier für eine geistige Versklavung, der die muslimischen Frauen als Besitztümer ausweist, sie von Männern und der Welt abgrenzt, in ihrer Bewegungsfreiheit einschränkt und zur Fügsamkeit erzieht. Der muslimische Schleier „steht für eine Art Apartheid…eines Geschlechts über das andere“ (Hirsi Ali 2010: 42).
    Für die Soziologin Necla Kelek ist das Kopftuch politisch gesehen „die Flagge des Islam“ (Kelek 2008a). Das Kopftuch stigmatisiere die muslimischen Frauen: „Mit dem Tragen des Kopftuchs werden Frauen zu sexualisierten Wesen reduziert anstatt gleichberechtigte Menschen zu sein. Frauen müssen sich zudecken, damit die Männer nicht unruhig werden. Sie verhüllen sich nicht für Gott, sondern weil Männer ihrer Triebe nicht Herr werden. Die Aussage, die dahinter steckt, lautet: Jede Frau, die kein Kopftuch trägt, bringt Unruhe in der Öffentlichkeit. Frauen werden als Unruhestifterinnen stigmatisiert und haben einem einzigen Mann zu gehören. Das Recht auf Selbstbestimmung wird ihnen damit genommen“ (Kelek 2008b).

    Auch wenn Frauen ‚freiwillig’ das Kopftuch tragen und damit ihr subjektives religiöses Empfinden zum Ausdruck bringen , kommt dem Kopftuch im gesellschaftlichen Kontext eine allgemeingültige Bedeutung zu (Schröter 2007: 150,151). „Nach der Scharia hat die Frau sich zu verschleiern, weil der Mann seine Triebe nicht beherrschen kann und er sich versündigt, wenn er sie anguckt“ (ebenda). Wenn eine Frau sich also dafür entscheidet, dann, so Kelek, akzeptiert sie dieses Menschenbild, bewusst oder unbewusst, und zeigt damit in der Öffentlichkeit: ich gehöre in eine andere Gesellschaft. Das führt bei der deutschen Mehrheitsbevölkerung überwiegend zu einer inneren Abwehrhaltung. Es wundert daher nicht, dass Toprak 2010 in einer neuen Studie bei vielen seiner muslimischen Interviewpartnerinnen in Bezug auf das Kopftuch eine innere Unsicherheit und Zerrissenheit feststellt.

    Die bisherigen Ausführungen begründen hinreichend nicht nur die Notwendigkeit des Kopftuchverbots für Lehrerrinnen, sondern eine kopftuchfreie Schule insgesamt. Was für die Schule gilt, sollte erst recht für den gesamten Kindergartenbereich gelten. „Nur dieser konsequente Akt gäbe den kleinen Mädchen aus orthodoxen bis fundamentalistischen Familien endlich die Chance, sich wenigstens innerhalb der Schule gleich und frei bewegen zu können“ (Schwarzer 2009: 81).
    Schulleiter berichten von einem zunehmenden Druck, dem Mädchen in muslimischen Familien durch ihre Eltern und in der Schule durch Jungen und sogar durch kopftuchtragende Mädchen ausgesetzt sind. Dort, wo Schulleiter sich für eine kopftuchfreie Schule eingesetzt haben, stoßen sie nicht nur auf erheblichen Widerstand überzeugter Islamisten, sondern auch auf sogenannte ‚Gutmenschen’ und Multikulturalisten, die mit Verweis auf Religionsfreiheit für das Kopftuch plädieren. Vor allem aber fühlen sich diese Schulleiter vom Schulministerium und den Bezirksregierungen in NRW alleingelassen. Als besonders absurdes Beispiel in diesem Zusammenhang muss die Handreichung für LehrerInnen gelten, die der NRW-Integrationsbeauftragte Thomas Kufen 2008 herausgegeben hat. Dort heißt es: „Für manche Eltern ist es selbstverständlich, dass ihre Töchter schon früh (vor Einsetzen der Pubertät) an das Kopftuch gewöhnt werden. Das Motiv, das dahinter steckt, ist nicht etwa, das Kind zu unterdrücken, sondern vielmehr die Liebe und Fürsorge der Eltern und ihr Wunsch, gottgefällig zu leben, um Qualen der Hölle zu entkommen“. Deshalb gelte: „Wenn muslimische Jugendliche – besonders Mädchen – ihre besondere Rolle und Eigenständigkeit sowie ihre religiöse Bindung durch Kleidung oder Kopftuch ausdrücken wollen, ist dies anzuerkennen und den Mitschülern gegenüber zu vermitteln (zitiert nach Louis 2009: 84/85). .
    Solche Aussagen und Empfehlungen sind eine Aufforderung zur Sonderbehandlung und zur Einführung islamischer Wertvorstellungen in der Schule und stehen im krassen Widerspruch zum Gleichheitsgrundsatz und zum Menschenbild des Grundgesetzes (Bertrams 2003). Außerdem müsste man das ‚wollen’ korrekterweise durch ‚sollen’ ersetzen, denn das Tragen des Kopftuches bei Mädchen in diesem jungen Alter kann keinesfalls als freie Willensentscheidung dargestellt werden. „ In religiös-islamischen Familien werden Mädchen wie selbstverständlich und einseitig auf die Übernahme islamischer Normen und Lebensweise und natürlich auch zum Kopftuch erzogen, nicht aber zur Freiheit eigener Meinungsfindung und persönlicher Lebensgestaltung. Von klein auf lernen sie, Bedürfnisse, die nicht opportun sind, gar nicht erst wahrzunehmen, geschweige denn zu artikulieren und durchzusetzen“ (Breuer 2009: 88/89). Mit dem Kopftuch sind weitere erhebliche Beschränkungen in der Schule (Schwimmbefreiung etc.) und in alterstypischen Freizeitbeschäftigungen verbunden (unbeaufsichtigte Treffen Gleichaltriger, Partys, Kino etc). „Viele geben diesen Druck an ihre muslimischen Mitschülerinnen ohne Kopftuch weiter“ (ebenda: 89).
    Mobbing gegen Mädchen ohne Kopftuch ist inzwischen an vielen Schulen mit einem hohen Anteil muslimischer Schüler aus konservativ-muslimischen Familien zur Bedrohung geworden, was nicht selten zu schweren psychischen Störungen betroffener Mädchen aus liberalen muslimischen Familien führt (ebenda : 87).
    Es dürfte deutlich geworden sein, dass das Kopftuch (der Schleier) alles andere ist als nur ein Kleidungsstück: Es ist ein Akt religiös begründeter Degradierung der Frau. Wer das unter dem Deckmantel der Toleranz verteidigt, hebelt die Gleichheits- und Freiheitsrechte aus, stärkt den fundamentalistischen Islam und entwaffnet alle diejenigen Mädchen und Frauen, die sich nicht unterwerfen wollen (Badinter 2009: 94, 95). Daher ist ein generelles Kopftuchverbot in der Schule – im Kindergarten sowieso – ein Gebot der Verteidigung unserer demokratischen Grundsätze und der universellen Menschenrechte.
    Das Kopftuch im Kindergarten und in der Schule macht aus dem minderjährigen Mädchen ein „Sexualwesen, dass seine Reize vor Männern zu verbergen hat, das weniger Freiheiten hat als die Brüder und die anderen Schulkameradinnen“ (Kelek 2009: 98). Diese Diskriminierung und Sexualisierung widerspricht dem Gleichheitsgrundsatz und dem Bildungsauftrag. Das Kindkopftuch ist daher als eine Kinderrechtsverletzung einzustufen.

    Deshalb fordern wir ein uneingeschränktes Verbot in unseren Bildungsinstitutionen Kindergarten und Schule. Solange kein generelles Verbot existiert, sind über Schulverordnungen, Elternverträge, Vereinbarungen und Öffentlichkeitsarbeit kopftuchfreie Schulen und Kindergärten umzusetzen. Die Jugend- und Schulverwaltung wird daher beauftragt, entsprechende Maßnahmen in den Bildungsinstitutionen zu initiieren.

    gez.
    Georg Schliehe
    Ratsmitglied

    Literatur:

    Badinter, Elisabeth (2009): Das Kopftuch ist ein Symbol. Emma Nr. 5, Sept./Okt.

    Berttrams, Michael (2003): Lehrerin mit Kopftuch? Islamismus und Menschenbild des Grundgesetzes. Deutsches Verwaltungsblatt Heft 19 2003, Seite 1225-1284.

    Breuer, Rita (2009). Mobbing gegen kopftuchfreie Mädchen. Emma Nr. 5, Sept./Okt.

    Der Koran (2007): Übersetzung von Rudi Paret. Zehnte Auflage 2007.Stuttgart.

    Der Koran (2007): Übersetzt und kommentiert von Adel Theodor Khoury, Gütersloh.

    Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland: Bundeszentrale für die politische Bildung (Hrsg.). Textausgabe 2006

    Hirsi Ali, A. 2010: Ayaan Hirsi Ali. Ich bin eine Nomadin. Mein Leben für die Freiheit der Frauen. München

    Kelek, Necla (2008a): Das Kopftuch ist eine Flagge. http://www.fr-online.de/in_und_ausland/kultur_und_medien/feuilleton/1608236_Das-Kopftuch-ist-eine-Flagge.html (16.10.2008).

    Kelek, Necla (2008b): Kopftuchstreit. Frauen werden zu Unruhestifterinnen stigmatisiert. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,424999,00.html (17.10.2008)

    Kelek, Necla (2009): Ein Verstoß gegen die Menschenwürde! Emma Nr. 5, Sept./Okt.

    Krauss, H. 2008: Islam, Islamismus, muslimische Gegengesellschaft. Eine kritische Bestandsaufnahme. Osnabrück.

    Radisch, Iris (2010): Das Kopftuch ist keine Mode. DIE ZEIT, Nr. 38, Seite 52.

    Schwarzer, Alice (2002): Der Fall Ludin in: Die Gotteskrieger und die falsche Toleranz. Köln.

    Schwarzer, Alice (2009): Kein Kopftuch in der Schule. Emma Nr. 5, Sept./Okt.

    Schwarzer, Alice (2010): Die große Verschleierung. Für Integration, gegen Islamismus. Köln.

    Schirrmacher, C./ Spuler-Stegemann 2006: Frauen und die Scharia. Die Menschenrechte im Islam. München.

    Schmidt, Gabi (2010): Online-Petition an den Deutschen Bundestag vom 30.04.2010. Verbot der Burka und des Niqab.

    Schröter, Hiltrud (2003): Mohammeds deutsche Töchter. Königstein/Taunus.

    Schröter, Hiltrud (2007): Das Gesetz Allahs. Menschenrechte, Geschlecht, Islam und Christentum. Königstein/Taunus.

    Jessen, Frank / Wilanmowitz-Moellendorff, Ulrich (2006): Das Kopftuch – Entschleierung eines Symbols. KSA-Zukunfssforum Politik. Broschürenreihe Nr.77.

    Toprak, Ahmet 2010: Sind Muslime integrationsunwillig? Pressemitteilung Fachhochschule Dortmund 09.06.2010.

    Zimmermann, Martina (2009): Frankreich. Das Kopftuchverbot ist ein Erfolg Emma Nr. 5, Sept./Okt.

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