Cigdem Toprak

Blog: 1915. “Sie warfen ihre Babies und ihr Gold in den Euphrat”

Apr
24

“What on earth do you want? The question is settled. There are no more Armenians.”

Talat Pasha in einem Gespräch mit dem deutschen Botschafter Dr. Mordtmann in Juni 1915

 

Der folgende Text stammt von einer jungen Armenierin, die in Istanbul geboren ist, in Deutschland studiert hat und nun wieder in ihre türkische Heimat als Architektin zurückgekehrt ist. Mit ihrer Erlaubnis habe ich ihre kraftvollen und bedeutenden Worte übersetzt und möchte sie hier wiedergeben:

Ich bin die Enkelin eines Armeniers, der als Kind vertrieben wurde und bis ins syrische Halep marschierte, dort aber nicht blieb, sich wieder zu Fuß auf den Weg in sein Heimatdorf machte – mit der Hoffnung seine Familie wiederzufinden. Seine Mutter wurde massakriert und er, der Junge wurde mit blutigen Verletzungen von einem barmherzigen türkischen Soldaten heimlich zurück in sein Haus gebracht, wo seine türkischen Nachbarn ihn fanden und aufzogen. Bis er an eine junge armenische Frau verheiratet wurde. Ich bin die Enkelin von Menschen die als „Reste des Schwertes“ bezeichnet werden. Hast du je von den „Resten des Schwertes“ gehört? Das sind wir… Und diese 100-jährige Leugnung ist unsere Geschichte. Auf den Steinen, Felsen, Mauern in den entlegensten Ecken dieses Vaterlandes ist meine tausendjährige Existenz eingemeißelt! Heute schicken wir unsere Kinder mit Mühe auf gute Schulen und Universitäten, während mein Volk seine Kinder vor 100 Jahren in Van, in Erzurum, in Kayseri und überall in Anatolien an die besten Schulen schicken konnte – warum mussten sie ihr Hab und Gut verstecken, begraben, ihr schönes Leben aufgeben? Hast du je darüber nachgedacht, warum sie sich von einem Moment zum anderen „in Luft aufgelöst“ haben? Wurdest du je, während du die alten Fotos deiner Großmutter betrachtet und die Verletzungen an ihrem Kopf und an ihren Ohren gesehen hast, damit beschuldigst, über ihre Existenz und ihre Geschichte zu lügen? Oder hast du dich je gefragt, warum die ganze Welt im Chor lügt? Hast du dich dafür interessiert und dich auf die Suche nach Fakten begeben? Wenn noch gestern ein paar Tore auf der Straße einen armenischen Journalisten töten können, beim Militär ein junger armenischer Soldat in den Kopf geschossen werden kann, wenn der Präsident damit droht „sie weg zu deportieren, wenn sie mich ärgern“, wieso kommen die Gräueltaten vor 100 Jahren dir vor wie ein Märchen? Du, mein Freund, kannst es gerne „Regen“ nennen, „Schnee“ nennen, „Hagel“ nennen, wenn du möchtest eine „ pechschwarze Wolke“… Aber letztendlich ist es nichts anderes als eine Handvoll „Wasser“, vermischt mit Hass und Blut.

Ich, die Enkelin eines vertrieben armenischen Jungen und Mädchen, zeige meine Vaterlandsliebe, mein Türkentum bereits in meinem Alltag, trotz des unfassbaren Leids. Trotz der unzähligen Beleidigungen von Dorfbewohnern der Provinz bis zu Politikern, versuche ich meine Existenz auf diesem Boden fortzuführen. .. Deshalb, mein Freund, solltest du nicht meine Liebe hinterfragen, mit meinem Leid konkurrieren wollen – sondern du solltest deine eigene Brille weglegen, deine Vorurteile aufgeben und die Dunkelheit deiner Vergangenheit… verlassen.“

(mehr …)

Die Menschen sind erwacht

Dez
07

Der Protest auf den Straßen Istanbuls ist zum Kampf geworden. Es geht längst um Meinungsfreiheit und Menschenrechte. Bürger aller Richtungen solidarisieren sich am Taksim-Platz gegen Premier Erdogan.

BLnTc1jCAAAbWyN.jpg large

 

(mehr …)