Cigdem Toprak

Ein wahrer Sultan demonstriert auch im Gezi-Park

Dez
14

Türkische TV-Serien sind mehr als Soaps: Sie kritisieren Missstände und stoßen Debatten an. Und wenn ihre Stars an Demonstrationen teilnehmen, werden sie zur Zielscheibe der konservativen Regierung.

MUTESEM-YUZYIL

Pünktlich zum Schuljahr- und Semesterbeginn haben die Proteste der türkischen Jugend wieder angefangen. Erholt sind die Türken aus den beliebten Partystädten Bodrum und Cesme an der Ägäis oder von ihren Familien in der Heimat wieder in die Großstädte zurückgekehrt. Der Auslöser für die jüngsten Proteste am vergangenen Dienstag war der Tod des 22-jährigen Ahmet Atakans, der am 3. Juni in Antakya am Kopf von einer Tränengaskapsel verletzt worden war und vergangenen Montag an seinen Verletzungen gestorben ist.

Aber auch die türkischen Seriendarsteller, die sich in den letzten Wochen in Drehpausen befanden, haben neue Energie für die zweite Runde der Proteste getankt. Denn türkische Stars spielen nicht nur in beliebten türkischen Serien mit, die auch in arabischen Ländern erfolgreich laufen – sie sind zentrale Akteure der türkischen Protestwelle. Tante Vasfiye demonstriert mit

Die 27-jährige Gonca Vuslateri zum Beispiel, die mittlerweile zu den angesehensten Schauspielerinnen der Türkei gehört. Mit ihren Rollen in der gesellschaftskritischen Comedyserie „Yalan Dünya“ („Verlogene Welt“) wurde sie in kürzester Zeit zum Star. Vuslateri verkörpert zwei unterschiedliche Generationen: Zum einen spielt sie die junge depressive Türkin Eylem, die ein Opfer der Generation Y ist. Parallel spielt sie die Rolle der alten Tante Vasfiye, mittlerweile eine Kultfigur, eine neugierige und verbitterte alte Jungfer, die sich aus Einsamkeit gerne über die Gefühle und Ängste ihrer Mitmenschen lustig macht.

Aber zwischen den Dreharbeiten und ihren Theateraufführungen fand Vuslateri genug Zeit, zu einer zentralen Figur der Proteste zu werden. Zusammen mit ihren Kollegen war sie fast täglich bei den Kundgebungen und im Gezi Park dabei. Regelmäßig haben Serienstars öffentlich im Park politische Stellungnahmen gegeben, sie haben im Park übernachtet und sich unters Protestvolk gemischt.

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Interview mit Günter Wallraff

Dez
10

 

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Der Autor und Türkei-Kenner Günter Wallraff unterstützt in Istanbul den bedrängten Journalisten Dogan Akhanli. Ein Interview über das „Sultangehabe“ Premier Erdogans und die EU-Perspektive der Türkei.

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Interview mit türkischem Oppositionschef Kemal Kilicdaroglu

Dez
09

CIGDEM TOPRAK'LA GORUSME

 

Was hat die größte Oppositionspartei der Türkei ihrem Premier Recep Tayyip Erdogan entgegenzusetzen? Kemal Kilicdaroglu, Chef der CHP, spricht über die Zukunft seines Landes nach den Protesten. Mein Gespraech mit Kemal Kılıcdaroğlu.

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Die Zukunft der türkischen Jugend liegt in Europa

Dez
08

7

Ich erinnere mich in diesen Tagen gerne an das Gespräch mit meinem Vater, kurz nachdem ich von meinem Auslandssemester aus der Türkei nach Deutschland zurückgekehrt bin. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich den Entschluss gefasst, nach meinem Studium nach Istanbul zu ziehen. „Deine Zukunft liegt in Europa“, sagte mein Vater energisch.

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Die Menschen sind erwacht

Dez
07

Der Protest auf den Straßen Istanbuls ist zum Kampf geworden. Es geht längst um Meinungsfreiheit und Menschenrechte. Bürger aller Richtungen solidarisieren sich am Taksim-Platz gegen Premier Erdogan.

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Interview mit Wilma Elles

Jul
19
 
Seit zwei Jahren spielt Wilma Elles (25) die holländische Caroline im türkischen Familiendrama „Öyle bir gecer zamanki“ („So wie die Zeit vergeht“). Seit vergangener Woche ist sie auch in Deutschland in dem türkischen Film „Laz Vampir Tirakula – Der Lasische Vampir“ im Kino zu sehen. Außerdem spielt sie in der Produktion „The End“, die bei der Berlinale 2013 Premiere hat, neben Christine Kaufmann und Martin Semmelrogge. Elles hat neben ihrer Schauspielerei soeben ihre erste Modekollektion herausgebracht, die sie dem Maya-Jahr 2012 gewidmet hat. Wo sie den 21. Dezember verbringen wird und wie sie sich als Deutsche am Bosporus fühlt, erzählt sie im Gespräch.
 
 
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Wofür ich Deutschland dankbar bin

Jan
02

erschienen in: Die Welt am Sonntag am 6.November 2011

 

Ihr Großvater kam in den 60ern nach Deutschland. Die Enkelin absolviert nun ein Gastsemester in Istanbul. Und sagt: Das türkische Bildungssystem hemmt den kritischen Geist.

Bei der Frage, wofür ich Deutschland dankbar sein könnte, habe ich vor einem halben Jahr noch den Kopf geschüttelt. Ich war nämlich fest davon überzeugt, dass ich alles Gute, was ich bisher erreicht habe, mir selbst verdient hätte.

Seit ich aber in Istanbul studiere, fallen mir tagtäglich Gründe ein, weshalb ich meiner deutschen Heimat dankbar sein sollte. (mehr …)

Der deutschen Islamdebatte fehlen die säkularen Muslime

Mrz
26

Der deutschen Islamdebatte fehlen die säkularen Muslime

Nicht erst seit dem Bestsellererfolg von Thilo Sarrazins Buch «Deutschland schafft sich ab» wird in Deutschland darüber gestritten, wie weit die Anpassung muslimischer Einwanderer an die moderne Gesellschaft und deren säkulare Rechtsordnung gehen soll. Leider wird die Debatte hauptsächlich von «Deutschen» geführt. Von Cigdem Toprak

Knapp drei Wochen nachdem Thilo Sarrazins umstrittenes Buch «Deutschland schafft sich ab» erschienen war, bekam ich einen Anruf von einem Berliner Meinungsforschungsinstitut, bei dem ich unter anderem gefragt wurde, ob ich mich durch Sarrazin beleidigt fühlte. Natürlich antwortete ich mit einem Nein. Das Gegenteil ist der Fall. Auch wenn Sarrazins Buch hauptsächlich den ökonomischen Nutzen muslimischer Migranten zum Thema hat, bin ich ihm dankbar, dass seine provokanten Thesen die Diskussion über den Islam in Deutschland, die Muslime und deren Integrationsfähigkeit auf eine breitere Basis gestellt haben.

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