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Die Sprache meiner Vorfahren ist vom Aussterben bedroht

Die Muttersprache meiner Großeltern beherrsche ich nicht, Zazaki wurde mir nie beigebracht. Traumatisiert von der Zwangsassimilation des türkischen Staates, behauptete meine Großmutter in ihren letzten Lebensjahren, dass sie Zazaki vergessen hätte. Das Thema wurde zum Tabu. Heute ist Zazaki vom Aussterben bedroht. Damit scheinen auch meine ethnischen Wurzeln zu verschwinden.

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Als Kind sind wir oft in den Sommerferien das Heimatdorf meiner Eltern nahe der türkischen Provinz Erzincan gefahren. Verwandte und Bekannte kamen uns alle im Haus meiner Großmutter besuchen, mit vielen von ihnen konnte ich mich aber nicht verständigen. Nicht, weil mein Türkisch nicht ausreichte. Vielmehr weil sie in einer anderen, fremden Sprache redeten. Meist waren es ältere Menschen, die mir in dieser seltsamen Sprache auf meine Fragen antworteten. Sie verstanden Türkisch, konnten es aber nicht sprechen. So verständigten wir uns irgendwie. Das hat mich immer sehr verdutzt. Meine Eltern haben sie wiederum verstanden, konnten ein paar Worte auf der mir unbekannten Sprache antworten. Das wars auch.
So kam ich immer wieder in Berührung mit der Muttersprache meiner Großeltern, der Geheimsprache meiner erwachsenen Verwandten, die sofort ins Zazaki wechselten, wenn sie über etwas redeten, was wir Kinder nicht verstehen durften.
Das fand ich immer sehr gemein. Dass man mir als Kind etwas vorenthalten wollte. Heute finde ich es noch gemeiner. Dass man mir eine ganze Sprache, eine ganze Welt vorenthalten hat. Die Sprache meiner Vorfahren, der Zugang zu meiner zazaischen Identität.

Während meiner Studienzeit besuchte ich einen Zazaki-Kurs, der in den Räumen meiner Universität stattfand. Ich versuchte Zazaki zu lernen, zu verstehen, zu sprechen. Obwohl die Grammatik recht einfach war, der Wortschatz nicht sehr groß, einfach zu lernen schien, machten innere Hemmungen es mir nicht möglich, den richtigen Zugang zu finden.
Zuhause konnte ich es nicht üben. Meine Großeltern sind verstorben, keiner meiner Verwandten in meiner nahen Umgebung konnten Zazaki sprechen, meine Mutter verstand es nur. Und mein Vater sträubte sich, mit mir zu lernen.

Jahre zuvor beteuerte meine Großmutter, dass sie Zazaki vergessen habe. Ihre Muttersprache nicht mehr beherrsche. Ihr Türkisch war nicht sehr gut, sie sprach im Dialekt. Wenn aber ein Anruf aus dem Heimatdorf kam, flossen die Worte nur so aus ihrem Mund. Alles Zazaki.

Scheinbar traumatisiert von der Zwangsassimilation in den jungen Jahren der Türkischen Republik, lernte meine Großmutter ihre Sprache, ihre Identität, ihre Wurzeln zu verleugnen.

Mit der Migration nach Deutschland wurde alles noch komplizierter. Die türkische Identität wurde in der neuen deutschen Heimat stärker empfunden. Das verwirrte auch mich. “Ganz normal türkisch” sind wir nicht, das spürte ich schon immer. Als mein Deutschlehrer, der sich politisch links orientierte, mir auf meine in der Klasse empfundene Diskriminierung antwortete “Ja, aber ihr Türken unterdrückt seit Jahrzehnten die Kurden”, dachte ich mir, ja aber doch nicht ich, doch nicht wir! Sagen konnte ich nichts, denn ich wusste selbst nicht, wer ich bin, wer wir sind.

Mit dem Aussterben der Muttersprache meiner Vorfahren und ihrer selbst, verblasst, verschwindet meine ethnische Identität. Das ist traurig.

Die Türken taumeln in die Armutsfalle

Der Verfall der türkischen Währung trifft die Bevölkerung gleich doppelt. Während Konsumgüter immer teurer werden, steigen die Kosten für Kredite. Immer mehr Familien geraten in die Schuldenfalle.
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Straße im bekannten Künstlerviertel Cihangir (Cihangir Mahallesi). Die Wohnungen werden zu Euro-Preisen vermietet. Direkt darunter: Bettler und Müllsammler. Foto: Cigdem Toprak.

Die sich zuspitzende wirtschaftliche Lage in der Türkei trifft die Bevölkerung gleich zweifach hart. Während die Preise für importierte Waren durch den konstanten Wertverlust der Währung Lira teurer werden, treibt die Leitzinserhöhung der Zentralbank die Zinsen für Immobilien-, Kfz- und Verbraucherkredite in die Höhe. Der renommierte türkisch-armenische MIT-Professor und Wirtschaftsexperte Daron Acemoglu befürchtet einen Einbruch des türkischen Konsumbooms.

Seit dem letzten Jahr hat die türkische Währung konstant an Wert gegenüber Dollar und Euro verloren. So zahlte man vor einem Jahr noch 1,68 Lira für einen Dollar, heute sind es 2,26. Als vergangene Woche der Dollar die Marke von 2,40 erreichte, traf sich die türkische Zentralbank zum Krisengipfel. Ihre Entscheidung, den Leitzins von 4,5 auf 10 Prozent zu erhöhen, fiel unerwartet entschlossen – und gegen den Widerstand des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayip Erdogan – aus.

Damit sollte der Wertverlust der türkischen Währung gestoppt werden, um weitere Einbußen der türkischen Wirtschaft zu verhindern. Der weltweite Trend von Investoren, sich aus den Schwellenländern, den sogenannten Emerging Markets, zurückzuziehen, kommt einem Erdbeben gleich. Und mittendrin liegt das Epizentrum Türkei.
Doch die Schwäche der Lira lässt nicht nur ausländische Investoren abwandern, sondern trifft auch die türkischen Verbraucher hart. Viele von ihnen sind hoch verschuldet. Das oftmals niedrige Einkommen und die hohen Lebenshaltungskosten zwingen sie, auf Kredite zurückzugreifen.

Erdogan verrechnet sich

Das monatliche Brutto-Durchschnittseinkommen in der Türkei lag im Jahr 2010 bei 1510 Lira. Mit dem aktuellen Währungskurs gerechnet sind das gerade einmal 500 Euro. Ein türkischer Hochschulabsolvent verdient durchschnittlich 2600 Lira, also weniger als 1000 Euro. Dabei sind die Ausgaben privater Haushalte im Durchschnitt sehr hoch. Das Statistische Amt der Türkei vermeldet, dass sich die durchschnittlichen Ausgaben eines Haushalts auf 2366 Lira belaufen.

Das Gehalt von fast der Hälfte der türkischen Erwerbstätigen liegt jedoch weit darunter. Von den zwölf Millionen sozialversicherungspflichtigen Erwerbstätigen arbeiten 46 Prozent für den Netto-Mindestlohn von 840 Lira. Wenn man dann noch berücksichtigt, dass in einem Haushalt nur der Mann erwerbstätig ist und die Frau auf die von Erdogan geforderten drei Kinder aufpassen muss, kommt es nicht selten vor, dass eine fünfköpfige Familie mit monatlich weniger als 300 Euro auskommen muss.

Um den Mindestlohn zu verteidigen, macht Erdogan eine einfache Rechnung auf. Wenn eine fünfköpfige Familie täglich dreimal am Tag Tee trinke und dazu die türkische Sesam-Brezel Simit esse, müsse sie hierfür monatlich lediglich 450 Lira ausgeben. Der Oppositionspolitiker Musa Cam korrigierte ihn; Erdogan habe sich verrechnet. Dies seien lediglich die Ausgaben für den Tee, insgesamt beliefen sich die Kosten für die günstigste Mahlzeit auf 1080 Lira.

Die geringen Einkommen und hohen Lebenshaltungskosten treiben immer mehr Türken in die Schuldenfalle. Laut dem Risikozentrum der Türkischen Bankenvereinigung (TBB) haben seit 2009 mehr als eine Millionen Bürger ihre Verbraucherkredite nicht zurückgezahlt. Über 1,7 Millionen Personen waren unfähig, ihre Kreditkartenschulden zu begleichen. Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der Personen, die ihre Kreditkarten nicht ausgleichen konnten, um 180.000 im Vergleich zum Vorjahr.

“Die Zahl der risikoreichen Kreditnehmer wird weiterhin zunehmen”, befürchtet der Wirtschaftsexperte und Kolumnist Ali Agaoglu. Dies würden auch die neuen gesetzlichen Regelungen zur Begrenzung der Kreditkartennutzung nicht verhindern können. Seit dem 1. Februar können beispielsweise Handys nicht mehr mit der Kreditkarte in Raten finanziert werden.

Abhängigkeit von Importwaren

“Mit den Zinserhöhungen der Zentralbank werden auch die Zinsen für die privaten Schulden der Bürger höher”, sagt Agaoglu. Seit Mai 2013 sind die Zinsen für Immobilienkredite von 8,5 auf 11,5 Prozent gestiegen. Nach der Entscheidung der Zentralbanker wird eine Zinserhöhung auf 13 Prozent erwartet.

Vor dem 17. Januar mussten Verbraucher für einen Kredit von 100.000 Lira mit einer Laufzeit von zehn Jahren insgesamt 77.000 Lira Zinsen zahlen, nun sind es 86.000. Die Entwicklung betrifft auch Kfz-Finanzierungen. Auch hier wird eine Zinserhöhung von momentan 13,2 auf 15 Prozent erwartet. Und für die Verbraucherkredite rechnet man mit einer Zinserhöhung von 1,5 Prozent auf jährlich 16 Prozent Zinsen.

Ein weiteres Problem für die türkischen Verbraucher stellt ihre Abhängigkeit von importierten Gütern dar. Die Türkei leidet an einem hohen Leistungsbilanzdefizit, die Türken konsumieren mehr, als sie produzieren. Der teure Dollar treibt die Preise vieler Güter in die Höhe.

“Wir spüren es vor allem beim Erdöl, die Preise für Benzin werden höher. Auch die erhöhten Preise für Autos, Computer und Handys werden den Verbraucher direkt treffen”, sagt Agaoglu. Zudem dürfe man nicht die Ressourcen vergessen, die für die inländische Produktion in der Türkei importiert werden müssten.

Wirtschaftsexperte Acemoglu spricht gar von einem “überdimensionalen Leistungsbilanzdefizit” der türkischen Ökonomie. Diese strukturelle Schwäche der türkischen Wirtschaft im Zusammenspiel mit den politischen Skandalen würde den türkischen Währungsmarkt negativ beeinflussen. “Die Ausschreitungen der Gezi-Park-Proteste und die autoritäre, unverhältnismäßige Reaktion der Regierung sowie die aktuellen Skandale haben signifikant zum Vertrauensverlust ausländischer Investoren in die Türkei beigetragen.”

Düstere Aussichten für die Bevölkerung

Weiterhin werde der bisher noch vorherrschende Konsumboom schon bald ausgebremst, befürchtet Acemoglu. Denn er wurde teilweise begünstigt durch niedrige Realzinsbeträge und den Kapitalstrom. “Diese Verhältnisse ändern sich jetzt. Diejenigen von uns, die der Meinung sind, dass die türkische Wirtschaft höhere reale Zinsbeträge benötigt, machen sich jetzt Sorgen um einen plötzlichen Rückgang des Konsums, wenn der Boom endet und der ausländische Kapitalfluss zurückgeht.”

Die kommenden Regionalwahlen im März stellen eine weitere Herausforderung für die türkische Wirtschaft dar. Wenn sich die türkischen Devisenmärkte bis dahin nicht beruhigen sollten, werde Erdogan mit einem “außergewöhnlichen Plan B und C” einschreiten, heißt es. Wie diese Pläne aussehen, weiß aber niemand.

“Es herrscht eine Unsicherheit darüber, in welche Richtung die Türkei steuert, und dies hängt teilweise von den regionalen Wahlen ab. Deshalb werden diese voraussichtlich Einfluss auf Währungsmarkt, Börse und die Wirtschaft haben”, sagt Acemoglu.

Wenn das Wahlergebnis für die Regierungspartei positiv ausfalle, könnten sich die Kurse auf dem türkischen Devisenmarkt stabilisieren, vermutet Agaoglu. “Allerdings muss man auch die Entwicklungen in den Märkten der anderen Schwellenländer berücksichtigen.” Für die türkischen Bürger hängt nicht nur ihre wirtschaftliche, sondern auch ihre politische Sicherheit von den Wahlergebnissen ab. So oder so stehen ihnen düstere Zeiten bevor.

Erstveröffentlichung: DIE WELT am 4. Februar 2014

Angemessen gekleidet: Burqa, Niqab, Hijab.

Eine aktuelle Studie des Social Research Instituts der University of Michigan fragte die mehrheitlich muslimische Bevölkerung in Tunisien, Ägypten, Irak, Pakistan, Saudi-Arabien, Libanon und Türkei, welche Kleidungsform für Frauen in der Öffentlichkeit angemessen sei.

Im Durchschnitt wird die weiße Kopfbedeckung (Nr.4), die Haare und Ohren bedeckt, der Burqa, Niqab, Tschador und dem unkonventionellem Tragen sowie keiner Kopfbedeckung vorgezogen. Dass Frauen auch ohne jegliche Bedeckung in der Öffenklichkeit angemessen gekleidet seien, diese Auffassung teilen 32 % der Türken, 15 % der Bevölkerung in Tunesien und 49 % der Libanesen. Die Haltung, dass Frauen in der Lage sein sollten, selbst über ihre angemessene Kleidung zu entscheiden, besitzen 56 % der Tunesier, 52 % der Türken und 49 % der Libanesen.

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Weihnachten am Bosporus

Nicht wegen ihres Glaubens, sondern weil es sie an Deutschland erinnert, feiern in Istanbul einige Deutschtürken zusammen Weihnachten. Auch wenn sie ihre neue Heimat mögen – manchmal fehlt die alte.

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Das Wohnzimmer duftet nach frisch gebackenen Vanillekipferl, die in einer Schale mit sternenförmigen Schokoplätzchen angerichtet sind. In der Wohnzimmerecke steht ein Tannenbaum, geschmückt mit goldenen Sternen, roten und grünen Kugeln, im Hintergrund erklingt Weihnachtsmusik – Mariah Careys “All I want for Christmas”. Alles ist für das Fest vorbereit. Eine Szene wie sie sich so kurz vor Weihnachten in Millionen deutscher Haushalte abspielen könnte. Doch vom Fenster dieses Wohnzimmers aus hat man einen atemberaubenden Blick über den Bosporus.

Wenige Tage vor Heiligabend treffen sich hier in einer Wohnung in Istanbul einige deutsch-türkische “Rückkehrer”, um gemeinsam Weihnachten zu feiern. Denn das bedeutet Heimat für die jungen Frauen, die in Deutschland geboren und aufgewachsen, nach dem Studium aber aus verschiedenen Gründen in die Türkei ausgewandert sind. Auch wenn sie am Bosporus ihr Glück, Liebe und Erfolg gefunden haben, fehlt ihnen manchmal ein Stück deutscher Heimat, ganz besonders in der besinnlichen Weihnachtszeit.

“Weihnachten zu feiern bedeutet für mich, in meine Heimat einen Teil meiner anderen Heimat zuholen”, erklärt die 33-jährige Dilsad Budak. Sie hat in Düsseldorf Jura studiert und lange Zeit ehrenamtlich im Vorstand der Türkischen Gemeinde Deutschland gearbeitet.
“Für mich war Weihnachten als Kind etwas Unerreichbares”, sagt sie. “Es war zwar sehr präsent, draußen war alles weihnachtlich dekoriert und es roch nach Weihnachten. Aber bei uns zuhause fand das christliche Fest nie statt. Das machte mich traurig und ich denke, dass mich das geprägt hat. Deshalb ist es jetzt umso wichtiger für mich, Weihnachten zu feiern.”

“Jesus hat auch im Islam einen hohen Stellenwert”

Dilsad Budak ist eine von 35.000 Deutsch-Türken, die jährlich in die Türkei ziehen. Die sogenannten “Rückkehrer” sind vielmehr “Auswanderer”, denn viele von ihnen kannten die Türkei zuvor nur von den jährlichen Urlaubsreisen mit ihren Familien.

Unter ihnen sind auch sehr gut ausgebildete junge Menschen, die einen wichtigen Teil der neuen Bildungselite in Deutschland bilden. Ob Juristen, Künstler oder Ingenieure – meist verschlägt es sie nach Istanbul, in die größte türkische Metropole. So auch Dilsad Budak.

Ihre Eltern haben die Türkei nicht freiwillig verlassen. Als politische Flüchtlinge kamen sie nach Deutschland. “Mein Vater durfte zwölf Jahre lang nicht in die Türkei einreisen. Deshalb war mein Blick auf das Land immer sehr romantisch verklärt”, sagt sie. “Diesen Blick habe ich immer noch, obwohl mich natürlich die türkische Realität sehr schnell eingeholt hat.”

Sie habe sich schon immer nach einem Leben in Istanbul gesehnt. Sowohl die Liebe zur Stadt, als auch die Liebe zu ihrem damaligen Freund und jetzigen Mann Cengiz gaben Dilsad Budak den Mut, Deutschland ganz zu verlassen.

Dennoch vermisse sie das Land hin und wieder – vor allem an Weihnachten. Obwohl sie keine Christin ist und auch sonst an keine bestimmte Religion glaubt, berührt das Fest sie. Ohnehin sei Weihnachten nicht rein christlich. “Jesus hat auch im Islam einen hohen Stellenwert”, sagt Dilsad Budak. Für sie persönlich ist er ein beeindruckender weiser Mann.

Nikolaus-Geschichten und leere Schuhe

Nicht die biblische Geschichte von Jesu Geburt, sondern eine selbst geschriebene liest Dilsad Budak dann ihren Freundinnen bei Keksen und Tee vor. In der Kurzgeschichte über den Nikolaus erinnert sie sich daran, wie das Fest am 6. Dezember in ihrer Kindheit gefeiert wurde – es war enttäuschend für sie. Denn die Schuhe blieben leer.

Ganz anders erlebte die 30-jährige Seda Türkyilmaz, die in Hannover aufgewachsen ist, die Weihnachtszeit als Kind. “Ich bin mit Weihnachten aufgewachsen, in der Schule gab es immer große Weihnachtsfeiern, es wurde gewichtelt, dekoriert und wir haben Plätzchen gebacken. Zuhause haben wir auch Weihnachten gefeiert, die Geschenke haben wir uns allerdings nicht an Heiligabend überreicht, sondern an Silvester, wie es auch in der Türkei üblich ist.”

Das Fest der Liebe ist für Seda Türkyilmaz eine Feier, zu der deutsche Süßigkeiten und Glühwein gehören. “Einmal im Jahr muss es auch richtig kitschig sein, da muss es glitzern und funkeln.”

Seda Türkyilmaz lebt seit eineinhalb Jahren in Istanbul und arbeitet als stellvertretende Direktorin der Schweizer Handelskammer. Nachdem sie in Berlin Medienwissenschaften studiert hat, ist sie ihren Eltern in die Türkei gefolgt. Ob sie für immer dort bleiben möchte, weiß sie noch nicht.

Ein Leben in Deutschland könne sie sich zwar auch nur schwer vorstellen, aber das “typisch Deutsche” vermisse sie sehr in der Türkei. Dazu gehören “Pünktlichkeit oder, dass man in Deutschland immer einen Plan hat”, sagt sie. “In Deutschland wacht man auf und plant sofort seinen Tagesablauf.” In Istanbul sei das nicht möglich. “Istanbul ist voller Überraschungen.”

“Es ist die schönste Zeit in Deutschland”

An diesem Abend essen allerdings nicht nur Deutschtürken deutsche Plätzchen, es feiern auch junge Türken mit, die sich mit Deutschland verbunden fühlen. So wie die Schwestern Berrak und Begüm Barutcu. Sie haben in Heidelberg studiert. Während die 30-jährige Berrak nach ihrem Jurastudium wieder nach Istanbul zurückgekehrt ist und als Anwältin in einer renommierten deutschen Kanzlei arbeitet, ist ihre vier Jahre jüngere Schwester nach ihrem Studium vorerst in Deutschland geblieben.

Berrak vermisst das deutsche Weihnachtsfest. “Es ist die schönste Zeit in Deutschland”, sagt sie. Zwar feiern Muslime in der Türkei auch religiöse Feste, das Weihnachtsfest aber ist in ihren Augen etwas ganz besonderes. “Die Menschen bereiten sich lange darauf vor, der Duft, die Weihnachtsmärkte, all das macht das Fest so einzigartig”, schwärmt sie.

Auch die 23-jährige Esra Boyacioglu sitzt auf dem weißen Sofa neben dem Weihnachtsbaum. Sie ist in Istanbul geboren und hat nie in Deutschland gelebt. In ihrer Kindheit hat sie allerdings mit ihrem türkischen Vater und ihrer deutschen Mutter Weihnachten in Bremen gefeiert. “Wir versuchen es so weihnachtlich-deutsch wie möglich in Istanbul zu machen, durch Deko, selbst gemachten Glühwein und Plätzchen. Natürlich gibt es Geschenke und ein üppiges Weihnachtsessen”, sagt sie.

Die kleine Weihnachtsparty in dem Wohnzimmer ist allerdings nicht der einzige Ort in Istanbul, an dem Lichterketten, Christbaumkugeln und goldene Girlanden zu finden sind. Einige Viertel der Stadt sind sehr weihnachtlich dekoriert. Tannenbäume und silberfunkelnde Sterne und viele Lichter schmücken das teure europäisch geprägte Einkaufsviertel Nisantasi.

Vor allem wohlhabendere Türken stürzen sich in den Einkaufstrubel und dekorieren ihre Wohnungen. Dies hat weniger mit dem christlichem Fest, als vielmehr mit dem Jahreswechsel zu tun. Silvester ist eine Art “Ersatz-Weihnachten” für viele konsumbegeisterten europäisch denkenden Türken.

Erstveröffentlichung: DIE WELT vom 25. Dezember 2013
Foto: Ebru Tavli

Frauen und Männer- unverheiratet unter einem Dach.


Erneut ist die türkische Jugend erzürnt über ihren Ministerpräsidenten. Denn nun spricht sich
Erdogan gegen gemischte Studenten-WGs aus und fordert staatliche Kontrollen in Privatwohnungen.

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Studenten und Studentinnen in der Türkei sollen getrennt wohnen – dazu hat der türkische Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan eine klare Meinung. Auf einer parteiinternen Versammlung beklagte er in der vergangenen Woche, dass es zu wenig Studentenwohnheime gäbe. Ein Mangel mit der gefährlichen Folge, das Studenten und Studentinnen in dieser Notlage dazu verleitet werden könnten, sich private Wohnungen zu teilen, meint Erdogan.

“Dies entspricht nicht unserem konservativem Demokratieverständnis”, erklärte er. Im der türkischen Stadt Denizli sei das Problem schon eingetreten. “Wir haben dem Gouverneur die Anordnungen gegeben. Das Notwendige wird eingeleitet.” Der Vizepremier und Regierungssprecher Bülent Arinc widerriefen dies und Arinc stellte klar, dass keine staatlichen Kontrollen in privaten Wohnungen stattfinden werden.

Doch Erdogan bekräftigte am nächsten Tag die eigenen Worte. “Ich leugne nicht, was ich einmal gesagt habe. Unsere Regierungspräsidien greifen in diesen Situationen ein”, sagte er. “Wieso wird das als störend empfunden? Wir wissen nicht, was in diesen Wohnungen passiert. Es kann alles passieren. Die Eltern klagen und fragen, wo der Staat ist. Wir müssen zeigen, wo der Staat ist.”

Gemischte WGs sollen kontrolliert werden

Der türkische Innenminister Muammer Güler kündigte nun an, dass ein Erlass vorbereitet werde. Neben illegal vermieteten Wohnungen sollen demnach auch gemischte Studenten-WGs kontrolliert werden. In der Türkei leben die meisten Studenten in staatlichen und privaten Studentenwohnheime zumeist nach Geschlechtern getrennt – teilweise sogar in unterschiedlichen Gebäuden.

Gemischte WGs sind eine Seltenheit. Laut türkischer Medien gab es in Istanbul bereits erste Kontrollen. Am 5. November soll eine Soziologie-Studentin in ihrer Wohnung von 30 Polizisten kontrolliert worden sein, ohne dass man ihr eine Durchsuchungserlaubnis zeigte. In der Stadt Manisa wurde laut Medienberichten gegen Studenten bei einer polizeilichen Kontrolle jeweils ein Bußgeld in Höhe von umgerechnet 32 Euro verhängt, weil Studentinnen zwei männliche Kommilitonen um ein Uhr nachts zu Besuch hatten. Der Vorwurf: Störung der öffentlichen Ordnung.

Zu Erdogans Sorge darüber, was alles passieren kann, wenn junge Männer und Frauen zusammenleben, schreibt der bekannte türkische Journalist Yilmaz Özdil in seiner Kolumne bei der türkischen Zeitung “Hürriyet” sarkastisch: “Ich werde es niemals vergessen. Wieder einmal hatten wir Sex auf dem Rasen auf unserem Campus mit Männern und Frauen, manche von uns auf den Parkbänken, andere auf den Treppen des Universitätsgebäudes. Das Wetter war so toll, deshalb überlegten wir, auch auf der Fähre am Bosporus Sex zu haben.” Özdil folgert in seinem Stück: “So stellen sich diejenigen die Jugend vor, die keine gehabt haben” und kritisiert damit den streng konservativen Lebensstil von Erdogan und vielen seiner Wähler.

Die Debatte um außerehelichen Sex

Der Premier hat mit seinen Forderungen gleich mehrere Debatten losgetreten. Viele kritisieren nicht nur, dass der er sich wie “ein strenger Vater” aufführe, sondern sie diskutieren auch über die Werte und Vorstellungen, die hinter Erdogans Worten stecken. Es geht zum einen um die Frage, ob Frauen und Männer außerhalb der Ehe in WGs zusammenwohnen können, ohne das etwas passieren muss und darum, was passiert, wenn sie außerehelichen Sex haben.

Einige Kolumnisten der älteren Generation verteidigen in der medialen Debatte das Recht auf Sexualität außerhalb der Ehe, wie die Journalistin Ezgi Basaran bei der linksliberalen Zeitung “Radikal”.

Ein Großteil der türkischen Studenten ist sich darin einig, dass Erdogan mit seinen Äußerungen und geplanten Anordnungen zu weit gegangen ist. Was das gemeinsame Wohnen außerhalb der Ehe betrifft, gehen die Meinungen aber auseinander. Viele sagen, dass Erdogans Worte im Grunde nur die Sitten und Werte der türkischen Kultur widerspiegeln würden. In der Türkei herrsche soziale Kontrolle und gesellschaftlicher Druck, erzählt der 24-jährige Student Hasan, der an der privaten Bahcesehir Universität in Istanbul studiert. “Hier gibt es schon immer die allgemeine Haltung, dass keine Wohnungen an unverheiratete Personen vermietet werden sollten. Deshalb sind insbesondere Studenten seit Jahren mit dem Problem konfrontiert, dass sie von Immobilienmakler keine Wohnungen bekommen.”

Nicht die Werte der türksichen Gesellschaft

Sein Kommilitone Ogulcan hält Erdogans Werte nicht für repräsentativ. “Im Mittelmeer-Raum, Maramara-Raum und an der Ägais teilt die Mehrheit der Familien nicht, dass Erdogans Äußerungen die Werte der gesamten türkischen Gesellschaft widerspiegeln”, sagt er. “Ich würde vor der Ehe mit meiner festen Freundin zusammenziehen und auch ein weibliches Familienmitglied von mir sollte das dürfen.”

Denn eigentlich sei bei dieser Debatte die Zielscheibe immer die Frau und nicht der Mann. “Wenn ein unverheiratetes Paar zusammenlebt, dann wird dafür eher die Frau verurteilt als der Mann. Und wie geht die türkische Polizei bei ihren Kontrollen in Wohnungen mit Paaren um, die nur islamisch verheiratet und nicht standesamtlich verheiratet sind?”

Der 18-jährige Student Melih sieht das anders. Er würde seiner Tochter später nicht erlauben, mit einem Mann außerhalb der Ehe zusammenzuwohnen. Alles andere würde die Werte und Sitten der türkischen Kultur verletzen. Aber das gemeinsame Zusammenleben sei eben ein alternativer Lebensstil, der zu tolerieren sei. “Es gibt viele Türken, die das heute ihren Kindern erlauben. Die Frage ist, ob sich der Staat in dieser Angelegenheit einmischen darf. Meine Antwortet lautet Nein. Das geht nur die Familien selbst etwas an.”

Der Druck auf junge Türken könnte stärker werden

Nermin und Zulal sind 20 und 22 Jahre und studieren zusammen Kunstgeschichte an der renommierten staatlichen Marmara Universität und mussten über die Äußerungen Erdogans zunächst schmunzeln. “Ich lebe alleine und mein Freund ist ständig bei mir zu Besuch”, sagt Zulal. Die beiden jungen Studentinnen sind sich einig, gesellschaftlicher Druck sowie soziale Kontrolle habe in der Türkei schon immer geherrscht, was das Thema “Sexualität” angeht.

Aber sie befürchten, dass durch diese Debatte der Druck auf die jungen Türken stärker werden könnte. Die Hausverwaltungen hätten schon begonnen, sich über die Studenten zu beschweren. “Erdogan versucht die Gesellschaft zu spalten, jetzt sind die Studenten die Zielscheibe geworden”, sagt Nermin. Dabei sollten sie geschätzt werden, weil sie schließlich die Zukunft des Landes seien. Beide fordern mehr Freiheit und Toleranz, wollen aber gleichzeitig nicht, dass die Werte der türkischen Kultur verloren gehen.

Auch die junge Psychologie-Studentin Özge bemängelt, dass es in der türkischen Gesellschaft noch viele Tabus gäbe. “In der Türkei sind wir beim Thema Sexualität nicht so frei wie in den westlichen Ländern. Die Türkei ist ein Land, dass europäisch sein möchte aber weit hinter Europa ist”, erklärt sie kritische. Über die Folgen dieser Tabus macht sich die Journalistin Ezgi Basaran Gedanken. Sie sorgt sich um die Zukunft der türkischen Jugend. “Die größte Gefahr für die Jugendlichen ist nicht die Möglichkeit, dass sie Sex haben, sondern dass sie von einem autoritären Staat erstickt werden”, kommentiert sie die aktuelle Diskussion.

Erstveröffentlichung: DIE WELT vom 10. November 2013

Gezi Park Film “Der Fall des Himmels”

Die Ereignisse um den Gezi Park Protest im Sommer 2013 in der türkischen Metropole Istanbul werden nun auf den Kinoleinwänden gezeigt.
Der Trailer zum Film zeigt die bewegenden Momente und die kriegsähnlichen Zustände, die den Atem in der Türkei wochenlang angehalten hat.


Schaut selbst.


Mode in der Türkei – zwischen Kopftuch und Dekolleté

Auf der Istanbuler Fashion Week 2014 ging es nicht nur um Stoffe und Schnitte, sondern auch um gesellschaftliche Werte, politische Haltungen – und Macho-Männer in Skinny-Jeans.

Meltem und Cigdem Toprak

Mercedes-Benz Presents Zeynep Tosun - Runway - MBFWI S/S 2014 Presented By American Express

Die Fashion Week in Istanbul findet am einzigartigen Bosporus statt. Türkische und internationale Gäste blicken auf die berühmte Brücke, die Europa mit Asien verbindet – und spüren die Zerrissenheit zwischen
Abend- und Morgenland, aber auch die Synthese der westlichen und östlichen Kultur, die auf den Laufstegen gezeigt wird.

“Das Frauenbild, das hier auf der Istanbuler Modewoche zu sehen ist, passt nicht zu unserer Realität”, sagt jedoch eine junge Frau, die bei der Show “Hidden” der erfolgreichen Designerin Zeynep Tosun zu modernem Rock ein Kopftuch trägt. Ihr Name ist Kübra Sönmez Isik, Journalistin der regierungsnahen Zeitung Yeni Safak. Keines der Models würde Kopftuch tragen, keine Designerin habe islamische Kleidung über den Laufsteg geschickt, bedauert sie.

Obwohl Kübra Sönmez Isik einen Widerspruch zwischen Religion und Mode sieht, sei es ihrer Meinung nach trotzdem möglich für Frauen mit Kopftüchern westliche Kleidung zu tragen und sie mit ihren islamischen Kleidern zu kombinieren. Solange die Schnitte und Längen dafür geeignet seien.

Mode für starke, selbstbewusste Frauen

Doch Designerin Zeynep Tosun zeigt stattdessen sexy Details, tiefe Rückenausschnitte und bauchfreie Tops sowie transparente Röcke. “Ich möchte starke Frauen präsentieren, die unabhängig sind, ihr eigenes Geld verdienen und sich nicht darum kümmern, was andere Menschen über sie sagen oder denken”, erklärt Tosun ihre Kollektion.

Inspirieren ließ sie sich von den 20er- und 30er-Jahren. Denn 1923 wurde der moderne türkische Staat von Kemal Atatürk gegründet. Atatürk brachte die westliche Kultur in das östliche Land. Die ersten türkische Frauen emanzipierten sich, begannen zum Beispiel Sport zu treiben.

“Wenn du eine religiöse Person bist, dann solltest du nicht an Mode interessiert sein”, meint Zeynep Tosun. Allerdings ist sie auch nicht der Auffassung, dass eine Frau nur mit einem tiefen Dekolletee Selbstbewusstsein ausstrahlt. “Es ist die Persönlichkeit, die die Kleidung trägt und nicht der Körper.”

Extravagant, laut und lebensfroh

Eine Designerin, die bereits für die berühmte Persönlichkeit Lady Gaga ein Kleid anfertigte, zeigt auf der Istanbul Fashion Week ihre erste Solo-Show. Deniz Berdans Kollektion ist extravagant, laut und lebensfroh. Berdan sieht in ihrer Heimat vor allem ein Land, in dem es eine großartige Mischung aus verschiedenen Kulturen gibt und wo eine kosmopolite Gesellschaft lebt, die sie immer wieder zu neuen Entwürfen inspiriert.

Trotz und gerade wegen ihrer toleranten Haltung hat Berdan nichts gegen das Tragen eines Kopftuchs einzuwenden. Sie ist der Auffassung, dass die Welt nicht noch mehr Verbote braucht. “Jedem sollte erlaubt sein, sich so anzuziehen, wie er möchte.”

Die Designerin ist optimistisch. Auch wenn Mode in der Türkei lange als Tabu galt, entwickele sich nun ein neues Bewusstsein in der jungen Generation. Geholfen hat den türkischen Designern dabei auch Mercedes-Benz. “Die Fashion Week hat uns die Möglichkeit gegeben, uns weiterzuentwickeln”, sagt sie. Dabei wurde die Istanbuler Modewoche erst zum zweiten Mal von dem deutschen Autohersteller gesponsert, die Organistaion von IMG Deutschland unterstützt.

“Ich habe kein Problem mit verschleierten Frauen”

Der Stargast auf der Fashion Week in Istanbul ist Barbara Becker. Die Exfrau von Boris Becker besucht zum ersten Mal die Türkei und schwärmt von der Schönheit türkischer Frauen und vom Glamour türkischer Mode. “Ich konnte noch gar nicht auf die Kleidung achten, ich bleibe an diesen ausdrucksvollen Augen hängen.” Vorurteile vor ihrer Ankunft in der Türkei hatte Barbara Becker nicht. “Ich habe kein Problem mit verschleierten Frauen, ich bin überall auf der Welt Zuhause”, sagt sie.

Auf der Istanbuler Modewoche wurde aber nicht nur Mode für Frauen, sondern auch für türkische Männer gezeigt. Ihnen sei der maskuline Look besonders wichtig, meint Designer Niyazi Erdogan. “Meine Entwürfe sind für den modernen, urbanen Mann, der ein Macho sein möchte”, sagt der Designer vor der Show. Seine Models tragen dann allerdings Hosen und Jacken in hellen Pastelltöne sowie Kirschen als Motiv.

Kirschen für die Macho-Männer

Auch der Head-Designer der international erfolgreichen türkischen Jeansmarke MAVI, Güney Oktar, betont, dass türkischen Herren ihre männliche Identität zwar wichtig sei – “Sie mögen Bärte und Hosen” – mittlerweile trügen sie aber auch Skinny-Jeans. Daran ist sicherlich auch der türkische Schauspieler und Frauenschwarm Kivanc Tatlitug Schuld, der in der aktuellen Werbekampagne von MAVI diese Hosen besonders überzeugend in Szene setzt.

“Mit solchen Role Models ändert sich auch das patriarchalische Männerbild in der Türkei”, meint Modeblogger Ümit Temurcin. Und die populären Vorbilder scheinen nicht nur den Stil der türkischen Jugend, sondern auch ihre Werte und Vorstellungen zu beeinflussen.

Niyazi Erdogans Fashion-Show endet nicht zufällig mit dem türkischen Popsong “Sultan Süleyman”: “Die Welt wird weder mir noch dir gehören, sie gehörte nicht einmal Sultan Süleyman (der mächtigste türkische Sultan, Anm. der Red.)”, so der Refrain. “Mit meinen Entwürfen möchte ich die Menschen auch zum Nachdenken anregen, die Botschaft ist frei für jede Interpretation. Mode macht Spaß, sie sollte aber auch eine Kunstform sein.”

Erstveröffentlichung: WELT ONLINE/ICON